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Liegeräder, HPVs und Velomobile

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Andreas Erben

letzte Aktualisierung: 20.07.2012
Kontakt: andi.erben@hpv.org

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an der ehemaligen innerdeutschen Grenze
Meine Liegeräder:
Ostrad "PRESTO" (tiefergelegt)
Tieflieger (Alltags- und Wettbewerbs-Racer)
HP Velotechnik "WAVEY"
Einrad-Anhänger (für den Racer)
Liegeräder sind toll ! Sie sind aus meinem persönlichen Mobilitätskonzept nicht mehr weg zu denken. Radfahren mag ich seit früher Kindheit. Zwischenzeitlich durchfuhr ich eine sich intensiv steigernde motorisierte Zweiradphase bis hin zum übergroßen "Reisedampfer", Auto auch, beim Bund sogar Panzer - mit Anfang 30 fand ich dann wieder zurück zur Fortbewegung aus eigener Kraft . Das Radfahren in der Stadt war für mich nach einigen Jahren Berlin selbstverständlich geworden und hier hatte ich erste flüchtigen Begegnungen mit Liegerädern.
Die schienen mir fremd, aber faszinierend - anders ... entschiedener ! Gelesen hatte ich schon über Liegeräder, Bilder hatte ich gesehen, Prospekte bestellt, mir fehlte der erste echte Kontakt, um mich nachhaltig zu infizieren.

So kam dann im Juni 1997 endlich jener für mich folgenreiche Entschluss, beim einzigen mir damals bekannten Berliner Liegeradhändler OSTRAD , einen Termin zum Probefahren zu vereinbaren:
So vollkommen anders hatte ich es mir nicht vorgestellt - Ich war begeistert ! - Am selben Tag, an dem ich meine allerersten Meter auf einem Liegerad (er)fuhr, bestellte ich mir eines - mein PRESTO. Für die Kaufsumme hätte ich auch ein gutes gebrauchtes Auto erstehen können. Bereut habe ich den Kauf bis heute nicht - einzig, dass ich es nicht schon früher gewagt habe.

Mein erstes offizielles Rennen mit diesem Rad (und überhaupt) waren bald darauf die 170 Km der "Hamburger Cyclassics" - in diesem letzten schönen Jahr, wo Liegeräder dort noch wie "Jedermann" starten durften... Nie vorher war ich am Stück so weit gefahren - und noch nie so schnell !

Erst Anfang 1998 fand ich durch den HPV e.V. zur Berliner Liegeradgruppe. Von Diskussionen und Erfahrungen mit Gleichgesinnten angeregt, baute ich mein PRESTO (tatkräftig unterstützt von Joachim Murken) teilweise um:
mein ursprüngliches PRESTO 1997 Das ursprünglich auf Bequemlichkeit optimierte Rad wurde durch den Umbau etwas "sportlicher". Die Sitzhöhe sank von ca. 60 auf ca. 52cm, die Tretlagerhöhe stieg von ca. 62 auf ca.72cm an. Die Tretlagerüberhöhung und die (bei gleichem Körperwinkel) flachere Lehne wirken sich spürbar günstig auf den Luftwiderstand und damit auf die nötigen Tretkräfte aus. mein PRESTO nach dem Umbau 2001
Rechts mein Presto 2001 nach dem Umbau   (Anklicken vergrößert)
Der leicht verlängerte Nachlauf tut dem Handling der indirekten Lenkung gut. Die Hinterrad- federung wurde etwas straffer, ist aber mit dem von 120mm auf ca. 80mm reduzierten Federweg immer noch sehr komfortabel. Trotz Umbauten bleibt mein PRESTO relativ schwer (Komplettgewicht mit einem Schloß dran: 20,5 Kg) und ist allenfalls ein flottes, nicht aber ein schnelles Liegerad. Nachdem ich auf verschiedenen Veranstaltungen "Rennluft geschnuppert" hatte, war mir klar, dass ich zum sportlicheren Fahren noch ein das aktuelle Rad von 2002 zweites, schnelleres Liegerad brauche. So entstand im Herbst 1999 die Idee für einen Tieflieger, den mir Joachim bauen sollte...
Im Oktober gab es die ersten Sitzproben, im Februar 2000 war der auf meine Maße geschweißte Rahmen fertig aufgebaut und wurde von mir in einer Erprobungsphase hart rangenommen ... Nach einigen Änderungen (wie geändertem Lenkkopflager und zusätzlich angelöteten Versteifungsblechen) konnte ich das sorgfältig pulverlackierte Rad erstmals bei unserem Liegeradfestival im Mai 2000 vorführen. In jenem Jahr waren Tieflieger noch die große Ausnahme - heute sieht das schon anders aus....

So wie hier rechts mit Alltagsausstattung mein Racer von 2000, auch hier zum Vergrößern anklicken (Akku-Licht, Ständer, Gepäckträger, Schloß, etc.) wiegt das Rad 17 Kg.
Gebremst wird hydraulisch, das von Joachim verschmälerte 406er Vorderrad mit einer Louise. Die aktuelle Lichtanlage reicht mit dem 60 Lux-Cyo und Bleigelakku für meine allgemeinen Bedürfnisse gut aus. Alle für ein Rennen unnötigen Teile lassen sich in kurzer Zeit vom Rad abnehmen.
Da ich 2005 mit dem Racer erstmals auch Langstrecken-Brevets gefahren bin (bis zu 440 Km in 17 Stunden), kam der Wunsch nach einem Nabendynamo auf, wie er in meinem Presto bereits seit 2002 stets unauffällig und problemlos seinen Dienst tut. Versuche mit umgebauten Seriendynamos für die besonders schmale Vorderradgabel mit Scheibenbremse brachten bisher leider kein brauchbares Ergebnis. Vielleicht gelingt es mir in Zukunft, einen leistungsfähigen Nabendynamo mit einer Hinterrad-Kassettennabe zu kombinieren. Bis da hin muss die Akkulösung noch herhalten.
Ansicht rechts, 2 Umlenkrollen... Seit ich meinen Tieflieger habe, nutze ich ihn nicht nur für Rennen und Touren sondern auch viel für den Alltagsverkehr.
Die möglichen hohen Fahrgeschwindigkeiten erlauben mir, im Berliner Stadtverkehr weitgehend "mitzuschwimmen", die Frage nach der Benutzung von riskanten Radwegen erübrigt sich daher.
Das halbe Dutzend meiner bisherigen Fahrrad-Unfälle im Straßenverkehr erlebte ich ausschließlich auf Gehsteig-Radwegen, alle auf normalen Uprights. Ursache waren immer entweder rechts abbiegende oder aus Seitenstraßen kommende PKW. Trotz wesentlich mehr Jahreskilometern auf meinen Liegerädern, habe ich mit diesen noch nicht einen ernsten Unfall gehabt. Selbst die meisten Polizisten sehen ein, dass man mit einem schnellen Liegerad am sichersten auf der Straße fährt !
Neben Alltag und diversen Auslandsfahrten (z.B. Korsika und Kuba) fuhr ich von 2000 bis 2007 regelmäßig nationale und internationale Liegeradrennen als Mitglied im ehemaligen "RSC Speedbike", Köln.
Bahnrennen in Peer
Rechts ein Bild von mir und meinem Racer beim Bahn-Stundenrennen im belgischen Peer in 2002 mit einer zusammenrollbaren Schaumstoff-Heckhutze.
Um auch zu den längeren Veranstaltungen mit dem nötigen Gepäck mit dem Tieflieger anreisen zu können, baute ich mir einen Einrad - Lastenhänger. Im Gegensatz zu den käuflichen Lösungen, sollte mein Hänger auch Haltebügel, Hänger und Alukiste mit 40 Kg Gepäck und bei 50 Km/h noch ruhig und sicher laufen. So entstand der am Rahmen befestigte, mitgefederte Aufhängungsbügel und der Gitterrohrhänger mit maximal tiefem Schwerpunkt und 406er Laufrad. Die Aufhängung, Trailer und Kiste wiegen zusammen das ganze Gespann
das ganze Gespann
ca. 11 Kg, das Gespann wird 122cm länger. Den Hänger habe ich um die große, wasserdichte Alukiste herum gebaut, man kann ihn aber auch ohne Kiste benutzen. Durch den tiefen Schwerpunkt läßt sich auf der vollen Kiste noch zusätzlich viel Gepäck (Zelt, Schlafsack, Ersatzreifen etc.) hochstapeln.
Das ganze Paket (42 cm breit) folgt immer äußerst gutmütig im Windschatten des Racers...
SRM am Racer Seit Herbst 2003 habe ich meinen Tieflieger mit einem SRM-Trainingscomputer ausgrüstet. Der hat mir bereits manchen interessanten Datensatz geliefert, so wie z.B das SRM-Protokoll vom DLC-Stunden-Rennen am 24.06.2006 (PDF 115 KB) auf der Radrennbahn in Hamburg.
In führender Position der unverkleideten Klasse platzte kurz vor Schluß mein Latexschlauch durch das Felgenband in die vordere Hohlkammerfelge. Die Aufzeichnung des SRM endet mit dem unvermeidlichen Sturz. Die sekundengenaue Auswertung (PDF 31 KB) zeigt am Ende für den Sturz ca. 46 Km/h an...
2012 habe ich mit anderen Lenkerformen für meinen Tieflieger experimentiert und Tieflieger mit UDK-Lenker mich schließlich für einen klassischen UDK ("um-das-Knie") -Lenker entschieden. Hier rechts zu sehen der aktuelle Zustand mit Grip-Shift und Lichtschalter am rechten Griff. Die Armhaltung ist jetzt etwas aerodynamischer als vorher, die Ellenbogen sind aus dem Wind, die ganze Sitzhaltung ist offener. Vorher nie benötigt, wurde jetzt eine Nackenstütze sinnvoll.
Die Sicht auf die Straße direkt vor dem Rad wird durch den UDK-Lenker etwas reduziert, ist insgesamt aber immer noch gut.
Im Januar 2007 ist mir mein WAVEY von HP-Velotechnik aus meinem Verwandschaftskreis "zugelaufen". Aufgerüstet mit V-Brakes, Nabendynamo und 60er Big Apple hinten, ergänzt es mein PRESTO bei Alltagsfahrten. mein Wavey in 2008 Am WAVEY schätze ich das relativ geringe Gewicht, die Obenlenkung und die simple Technik.
Bei Schmuddelwetter bekommt man wenig Spritzwasser ab und das Rad läßt sich vergleichsweise einfach reinigen und warten.
mein Wavey 2012 Rechts die aktuelle Version mit anderem Lenker (Trainingsbügel). Die zusätz- liche erhöhte Aufhängung mittig über dem Gepäckträger holt die Fahrradtasche fast vollständig aus dem Fahrtwind - der Unterschied beim Luftwiderstand ist bei höherem Tempo oder Gegenwind deutlich spürbar!
PRESTO und WAVEY sind nach meiner Erfahrung bei mittlerem Kraftaufwand etwa gleich schnell (aber deutlich langsamer, als mein Tieflieger). Bei schärferer Gangart machen sich beim Ostrad das hohe Gewicht und die Verluste durch Zwischengetriebe und weiche Federung negativ bemerkbar. Echte Vorteile bringt das PRESTO bei schlechten Straßen und mit viel Gepäck. mein Kleintransporter Der aus Edelstahlrohr geschweißte rahmenfeste Gepäckträger ist extrem stabil und praktisch, zusätzlich lässt sich Gepäck an den Sitzrohren befestigen. Säcke mit Blumenerde, Zement oder ähnlichem sind bis 40 Kg kein Problem ... mein Presto 2012 Rahmen und Fahrwerk stecken das alles weg, das PRESTO lässt sich immer sicher fahren ! Seit 2009 schützt mich am Rad ein Windshield vor Fahrtwind und Regen. Vor allem in der der kalten Jahreszeit möchte ich diesen Komfort nicht mehr missen. Auch bei zweistelligen Minusgraden kann man längere Fahrten ohne durchgefrorene Füße bewältigen. Bei Niederschlag kann man Regenhose und -Schuhe getrost zu Hause lassen, eine gute Regenjacke reicht zum Trockenbleiben. Auch im Sommer hat man hinter der Verkleidung genügend Luft, der Sonnenbrand auf ungeschützen Beinen bleibt meist aus ...
Einen Bremseffekt durch die Verkleidung konnte ich nicht feststellen, einen Tempogewinn bringt sie aber auch kaum. Die guten Strömungseigenschaften werden durch die etwas größere Stirnfläche und das (geringe) Mehrgewicht zum größten Teil wieder ausgeglichen. Das Fahren mit Verkleidung finde ich dabei grundsätzlich angenehmer.

Einige neue Projekte warten, mal sehen, was die Zukunft bringt...

Ich hoffe, wir sehen uns - beim monatlichen Treff im "Walhalla", Sternfahrt oder bei einer unserer Touren!

Allzeit gute Fahrt !

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